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Sonntag, 7. April 2024

Hitchcock vs. Lessing (2/2): „Es ist keine Kunst, alte Weiber zum Heulen zu bringen.“

 

 
Damit die Leser die Übersicht behalten - anders als Lessing. 
 

Lessings Problem in der Nullfokalisierung

Nachdem wir uns in Teil 1 der Theorie und ihrer Vorteile gewidmet haben, beleuchten wir hier die Probleme.

Der besondere Reiz der nullfokalisierten Erzählung liegt im Wissen des Zuschauers über die verschiedenen Motivationen der Charaktere, sodass es zu Missverständnissen mit großem dramaturgischem Gewicht kommen kann. Sie verlangt allerdings auch, dass die Erzählung die Übersicht über die Wissensstände aller Charaktere behält. Andernfalls könnten Handlungslücken auftreten, die, wenn sie auffallen, bewirken, dass der Zuschauer distanziert wird, mit Lessings Worten, seine Anteilnahme geringer ausfällt. Ein solches Problem tritt auch in Miß Sara Sampson auf und soll nun, wie auch Lessings Versuch, es zu kaschieren, hier beschrieben werden.

Gegen Ende offenbart Marwood Sara ihre geheime Identität und dringt „mit tötender Faust“ auf sie ein. Sara flieht. Es folgt die Szene, in der Marwood beschließt, ihr Gift gegen Sara einzusetzen. Ende des IV. Aktes. Am Anfang des V. Akt kommt Sara nach einer Ohnmacht wieder zu sich. Was ist passiert? 

Sonntag, 4. Februar 2024

Über Integrität und ihren Preis

 


Woman of Straw/Die Strohpuppe

Die Pflegerin Maria soll den alten Charles Richmond pflegen, doch dessen Sohn, der Zyniker Anthony (Sean Connery) will, dass sie ihn heiratet – denn so würden sie beide ein Vermögen erben. Ein Film über eine Frau mit Integrität, die sich für Geld korrumpieren lässt.

Samstag, 16. Dezember 2023

Gotthold Ephraim Hitchcock (1/2) - Meister des Suspense

 

Autor von Miß Sara Sampson im Alter von 26 Jahren

Lessing zwischen Theorie und Praxis

„Bei Lessing ist die Theorie praxisbestimmend.“- Reinhard Meyer

Der Gedanke, Lessing habe als praktischer Dramatiker und Dramentheoretiker Erkenntnisse aus dem einen Bereich in seine Arbeit im anderen fließen lassen, ist durchaus naheliegend. Allerdings ist die These laut Meyer eine Fehlannahme. Hat Lessings Theorie also keinen Einfluss auf Lessings Praxis?

Emilia Galotti nach der Hamburgischen Dramaturgie zu interpretieren, sei bspw. unmöglich, da die Dramaturgie verschiedene Theorien beinhalte. Angesichts der gängigen Annahme, Emilia Galotti sei als Versuch Lessings, seine Theorie in Praxis umzusetzen, ist diese Aussage überraschend. Womöglich lässt sich aber doch die eine oder andere theoretische Überlegung praktisch in Lessings Dramen umgesetzt wiederfinden.

Im 48. Stück der Hamburgischen Dramaturgie vom 13. Oktober 1767 begründet Lessing, weshalb er ein bestimmtes dramaturgisches Stilmittel einem anderen vorzieht: Die dramatische Ironie der Überraschung. Lässt sich von dieser Theorie etwas in der Praxis wiederfinden? Oder folgt eine solche Interpretation bloß dem Belieben des Interpreten? Anhand der Fokalisierung[1] in Lessings Miß Sara Sampson werde ich für diesen Einzelfall untersucht werden, inwieweit Lessings (spätere) Theorie mit seiner (früheren) Praxis übereinstimmt. So zieht Lessing in der Theorie die dramatische Ironie der Überraschung vor, was durchaus an Hitchcock erinnert, bei dem von Suspense die Rede ist.

Warum kann bei Lessing rückblickend von Suspense im Sinne Hitchcocks die Rede sein? Wendet Lessing Suspense zur Spannungserzeugung in Miß Sara Sampson an? Und wenn ja, wie?